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DAS Ökologische Branchenbuch für die Metropolregion Nürnberg

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Porträts von Menschen und Firmen im BOGEN

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Porträt des Monats April: Buntes Gemüse – Ackern mit Pferden


Bernd Scholl mit dem Pony Litzka beim Hacken von Porree


Renate Buchhorn mit dem Gemüsewagen


Litzka im Folientunnel


Pflügen mit Fritz


Jersey-Kühe mit schönen Augen und Hörnern



Auch Schulklassen sind willkommen in Sommersdorf



Fritz beim Pflügen er hat mich zweifelsohne sehr beeindruckt. (Bernd erzählt, daß es mittlerweile zum Glück verboten ist, die Schwänze der Kaltblüter zu kupieren. .. Fritz schlägt aus, wenn ihn die Mücken plagen..“ )


ein historischer Pflug


Auf dem Markt
in Gunzenhausen kaufe ich gerne bei einem ganz besonderen Gemüsestand ein. Dort gibt es schonmal schwarze Karotten, blaue und rote Kartoffeln, leckeren Lauch, - die Gemüse schmecken mindestens so gut wie die raren Erzeugnisse meines eigenen Gartens, wenn nicht sogar besser – Die Leute interessieren mich.

Besuch in Sommersdorf:
An einem Sonntag Nachmittag besuche ich Renate Buchhorn und Bernd Scholl in Sommersdorf. Ich komme in eine gemütliche alte Bauernstube mit Bohlenbalkendecke, im Holzherd brennt ein Feuer, Besuch ist da aus der Schweiz, der zum Helfen gekommen ist. Später kommen die zwei Kinder, und eine Freundin. Die Stube ist voll.

Wie kommt man dazu, so „exotisch zu arbeiten?“
Mit „exotisch“ meine ich die Arbeit mit Pferden auf dem Acker und in den Gemüsebeeten und Folientunneln des 9 ha großen Demeter-Betriebes. Bernd Scholl gibt eine erstaunliche Antwort:

„2/3 aller Nahrungsmittel werden weltweit mit Hilfe von Zugtieren erzeugt, ohne motorisierte Maschinen. In Afrika versuchen Entwicklungshelfer gerade, den Frauen zu zeigen, mit Eseln auf dem Feld zu arbeiten, statt Esel nur für den Transport von (männlichen) Menschen zu verwenden. Arbeit mit Tieren ist alles anderes als „exotisch“. Bis zu einer arrondierten Betriebsgröße (= die Felder sind alle an einem Stück, nicht so verteilt wie hier in Mittelfranken) von 60 ha. kann auch in Mitteleuropa mit Pferden rentabel gearbeitet werden. Es scheitert nicht an Unwirtschaftlichkeit, es scheitert an den Menschen. Die Zahl der Betriebe, die mit Pferden arbeiten nimmt wieder zu: Ca. 100 sind es mittlerweile wieder in Deutschland. In Norwegen gibt es einen Betrieb, der 100 ha vorwiegend mit Pferden bewirtschaftet. Es sind nur 2 Familien und Praktikanten, die diese Arbeit bewältigen. Sie haben auch Traktoren, dafür, wenn mal etwas schnell gehen muss- aber vorwiegend wird mit Pferden gearbeitet.


Landwirtschaft ist grundsätzlich wenig rentabel
Eigentlich logisch, dass sich die Menschen in den ärmeren Ländern den teuren Sprit und die teuren Maschinen nicht leisten können, um Nahrungsmittel zu erzeugen. Nur nachgedacht habe ich darüber noch nie.... aber dass es sich hier in Deutschland verwirklichen läßt, mit Pferden zu ackern, und als landwirtschaftlicher Betrieb davon zu leben, das erstaunt schon. Bernd sagt weiter: „Landwirtschaft ist grundsätzlich eine Arbeit, die wenig rentabel ist. Es gibt viele Betriebe, die voll automatisiert sind, riesige Flächen haben, die aber an der unteren Grenze der Wirtschaftlichkeit sind, weil die Maschinen, die Zusatzstoffe, die Betriebsmittel so viel kosten. Jetzt allmählich wird es vielen Landwirten bewusst, - aber wer einmal in der Mühle drin ist, kommt nicht mehr raus.“


Seit 20 Jahren Gemüseanbau und Direktvermarktung:

Bernd Scholl und Renate Buchhorn haben beide Landwirtschaft studiert. Sie stammen beide nicht aus Bauernfamilien. Da hat man es einerseits schwerer, weil ein Stück weit die Selbstverständlichkeit und Erfahrung von Kindesbeinen an fehlt, (und es mangelt auch am Hoferbe (d.R.)) aber andererseits auch leichter, denn man ist nicht so festgefahren, die Arbeitsabläufe und Techniken sind nicht so vertraut, man ist freier, Neues zu versuchen. Seit nunmehr 20 Jahren bauen die beiden Gemüse an in Sommersdorf und verkaufen es auf den Wochenmärkten. 98% der erzeugten Lebensmittel werden direkt vermarktet. Viele Kunden wissen die bunten Gemüse zu schätzen. Bereits nach zwei Jahren waren sie als Vollerwerbslandwirte anerkannt. Die Flächen sind kontinuierlich mehr geworden, das Land haben sie teilweise kaufen können und seit 12 Jahren arbeiten sie mit Pferden. Zuerst war es eine Kaltblutstute, dann kam ein großer belgischer Wallach dazu, schließlich noch zwei Ponys, die für die Folientunnel geeigneter sind. 4 Pferde – ob der „Sprit“ für die Tiere selbst angebaut wird? „in guten Jahren, wenn das Gras gut wächst, reicht es. Manchmal brauchen wir etwas mehr.“


Warum mit Pferden?
... aber zurück zur Frage „warum mit Pferden?“ „eigentlich haben wir es immer gewollt, und dann haben wir es gemacht. Wir haben geglaubt, dass es machbar ist. Man muss sich halt denken, dass es besser ist als Fitnesstudio, wenn man hinter dem Pflug im weichen Ackerboden stapft – und nicht meinen, dass es Plackerei ist... Für den Boden ist die Bearbeitung mit Pferden einfach so viel besser. Der Boden wird nicht so verdichtet. Für die Bodenlebewesen ist es gut. Wir haben unsere Gemüse mehrfach in Triesdorf untersuchen lassen auf die Fähigkeit, Freie Radikale zu binden. EQC (= elektrochemisches Qualitäts-Consulting) wird dieses Verfahren genannt. Unsere Gemüse haben oft sehr gut abgeschnitten. Nicht immer – es kommt auch auf die Witterung an. Freie Radikale – das sind die kleinen Teilchen, die u.a. Krebs auslösen können. Die zunehmende Umweltbelastung schädigt die Böden. Wir wollen Lebensmittel anbauen und verkaufen, die Energie geben, und die heilsam sind, die Menschen vollständiger machen. Deren Wirkung können Heilpraktiker leicht messen“.


Was für einen Preis zahlt man für so ein Leben gegen den Strom?
Ich frage nach dem Preis, den Renate und Bernd bezahlt haben, dafür, dass sie so anders, so gegen den Strom leben und arbeiten. „Preis? Nein, Preis haben wir keinen bezahlt. Im Gegenteil. Unser Preis ist grosse Zufriedenheit. Wir tun das, was wir tun, für uns selbst. Wir kommen über die Runden. Es geht darum, dass ich mich selbst in Ordnung bringe, dann werden auch andere davon ergriffen.


Was ist die Philosophie?
Ganz einfach . „Wir versuchen, die Dinge mit Liebe zu tun.“

Wir gehen auf den Acker, die Tiere besuchen, die in großen Offenställen stehen.. 2 schöne, grossäugige Jersey-Kühe, ein Ochs, ein Kälblein, fressen zufrieden Heu, - sie wurden angeschafft, weil Kuhmist doch noch etwas besser ist als Pferdemist. .. und auch wegen der Milch. Fritz, ein mächtiger Belgier begrüßt uns prustend, zusammen mit der Stute Lotte und den Ponys Max und Litzka. Eine fröhliche Praktikantin mistet aus und verteilt dann Heu.


“Lebt Ihr euren Traum“?
Diese letzte Frage erübrigt sich fast. „ Ja, wir leben unseren Traum, aber dass der nicht abhanden kommt, da muss man ständig was dafür tun.“


Bernd Scholl und Renate Buchhorn haben zwei Kinder, eine feste Mitarbeiterin, und meist noch eine/n Praktikant/in.



Nachwort zur Energiebilanz in der Landwirtschaft:
Heutzutage wird nur nach der betriebswirtschaftlichen Bilanz gesehen. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise fehlt. Die Bilanz ist erschreckend, und die Frage stellt sich, wo der wirkliche Fortschritt liegt.


Art der Landwirtschaft

Energieeintrag

Energiegewinn

Intensivlandwirtschaft der Azteken, mit Terrassierung, gärtnerische Landwirtschaft

1

100

„primitive“ Landwirtschaft, nur Handarbeit:

1

10

Jäger und Sammler

1

5

Mechanisierung mit Pferden/Zugtieren

1

1

Mod. Rindermast und Hochseefischerei

20

1

Konventioneller Anbau in geheizten Gewächshäusern mit künstlichen Substraten, incl. deren Entsorgung als Müll

100

1




... die Bilanz zeigt, daß wir im fortschrittlichen Mitteleuropa dank der fossilen Brennstoffe mit 2000 -10.000 % Verlust arbeiten. nicht nur bei den Transportmitteln, sondern allgemein.....natürlich nicht betriebswirtschaftlich gesehen, aber in der Wirklichkeit.

Alle Photos von: buntes Gemüse
Weitere Infos von www.buntes-gemuese.de